18:57 Uhr - 23.05.2017

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RÜCKBLICK
Hintergrund über unseren Ortsnamen
Mitschnitt des Beitrages vom 26.11.2013 aus dem NDR 1 Niedersachsen. Wissenswertes erzählt vom Ortsbürgermeister Bernd Casper. Anschließend spricht der bekannte Namenforscher Prof. Jürgen Udolph über den Ortsnamen und seine Bedeutung.

Allgemeines über Bremke

Bremke liegt im südöstlichen Niedersachsen im Landkreis Göttingen an der Grenze zu Thüringen und ist eines von 16 Dörfern der Gemeinde Gleichen mit ca. 850 Einwohnern. Zu Bremke zählen auch die (z.T. ehemaligen) Güter Sennickerode, Appenrode, Elbickerode und Vogelsang.

Als Straßendorf ist es einerseits geprägt von den steilen offenen Sandsteinfelsen und -mauern, andererseits vom Wendebach, der durch den Ort fließt. In der Heiligenstädter Straße (Haupt- und Durchgangsstraße) und im Dorfkern bestimmen Fachwerkhäuser unterschiedlichen Alters das Dorfbild - siehe rechte Seite.

Die Landschaft ist durch Felder, Wiesen und Mischwälder abwechselungsreich und eignet sich im Herzen Deutschlands hervorragend als Erholungslandschaft und damit zum Wandern. Die "Hausberge" Bremkes, der Eschenberg (404m) und die Zwillingsberge Alten und Neuen Gleichen (428m) gehören zu den höheren Bergen des Leineberglands.

Die Geschichte:

Schon in der Altsteinzeit haben in der Umgebung unter den Sandsteinabris im Wald zwischen Bremke und Reinhausen Jäger und Sammler gelebt. In den Randbereichen der Ortschaft haben später auch Ackerbauern und Viehzüchter gesiedelt.

Die erste Erwähnung des Ortsnamens unter dem Namen "Bredinbeke" gilt in einer Abschrift des Urkundenbuches des Klosters Reinhausen mit 1207 n. Chr. als gesichert. Eine frühere Erwähnung von 1022 n. Chr. hat sich als Fälschung erwiesen. Damit sollten spätere Besitzansprüche gesichert werden. Eindeutig ist das Datum 1318. In den Lehnsbüchern von Herzog Heinrich den Milden von Braunschweig wird Familienmitgliedern derer von Uslar u.a. das Lehen von "Bredenbeke" übertragen.

Der Ortsname wandelt sich dabei von Bredenbeke, Bredinbike im 16. Jh. zu Brembeke und Bremeke zu Bremke. Der Ursprung des Dorfes liegt vermutlich rund um die Kirche.

Bereits zwischen 1269 und 1277 wurden die beiden Burgen auf den Alten und Neuen Gleichen von Herzog Albrecht den Großen von Braunschweig-Lüneburg an die Vettern und Brüder Hermann IV., Hildebrand IV. und Ernst V. von Uslar als Gesamteigentum übereignet.

Zu den Liegenschaften der Gleichen gehörte auch das Dorf Bremke, das die üblichen Lasten (Spann- und Handdienste, den Zehnten und weitere Naturalien bis Mitte des 19. Jahrhunderts an die von Uslar zu leisten bzw. abzuführen hatten.

Ein wichtiger Einschnitt in die Geschichte Bremkes gilt das Jahr 1451. Die Brüder Ernst und Hans von Uslar verkauften als letzte ihrer Linie ihre Neuen-Gleichen mit allen Zubehör, Diensten und Zehnten an den Landgrafen von Hessen. Dazu gehörte der vierte Teil von Bremke. Dreiviertel Teile gehörten mit Appenrode, Sennickerode, Elbickerode und Vogelsang zu Altengleichen. Damit wurde Bremke ein "Mengedorf", weil hessische und Braunschweig-Lüneburger (später hannoversche) Untertanen ihren jeweiligen Herren abgabepflichtig waren. Erst nach den Vereinbarungen des Wiener Kongresses 1815 fielen die hessischen Ämter Neuengleichen und Plesse ab 1816 an Hannover. Etliche Flurnamen erinnern noch heute an die hessische Zeit: Hessenkrug, Hessenholz, Hessenhöfe.

Der Bau der Straße von Göttingen nach Heiligenstadt ab 1790 muss als wesentlicher Faktor der nachfolgenden Entwicklung Bremkes im 19. Jahrhundert angesehen werden. Außerdem waren auf Grund der geografischen Lage die landwirtschaftlichen Voraussetzungen nicht so gut wie in der Umgebung. Beide Gesichtspunkte führten dazu, dass die wirtschaftliche Entwicklung Bremkes nicht vorrangig von der Landwirtschaft geprägt wurde, sondern sich mehrere Handels- und Kaufmannsbetriebe ansiedelten, gut besuchte Gasthöfe vorhanden waren und einige Handwerksbetriebe ihrem Gewerbe nachgingen (Zimmerleute, Tischler, Maurer, Weißbinder, Stellmacher, Schmiedemeister und Schuster). Aufgrund der Lage auf halben Weg zwischen Göttingen und Heiligenstadt wurden im Zeitalter der Postkutsche beim Gastwirt und Posthalter Heinemann regelmäßig die Pferde gewechselt.

Entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung stieg die Zahl der Einwohner bis Mitte des 19. Jahrhundert auf ca. 950 Personen, um anschließend relativ schnell auf ca. 750 zurückzugehen. Die Industrialisierung lockte viele Menschen in die Städte. Die Zahl von 750 Einwohnern hielt sich mit zwischenzeitlichem Anstieg auf ca. 850 bis zum Ersten Weltkrieg, mit dem ein harter Einschnitt in die dörfliche Struktur verbunden war. 40 junge Männer fielen ihm zum Opfer.

Die Entwicklung einer öffentlichen Infrastruktur begann mit dem Bau einer Wasserleitung 1910/11. Die regelmäßige Busverbindung zwischen Göttingen und Heiligenstadt über Bremke wurde 1921 eingerichtet. Auch die Versorgung mit elektrischem Strom begann 1921.

Ein besonderer Aspekt der Bremker Geschichte ist die Ansiedlung von Juden. Die Herren von Uslar-Gleichen hatten auch ohne Genehmigung des Landesherrn, z.T. sogar gegen deren Verordnung die Niederlassung von Juden in ihrem Bereich zugelassen. Ab 1727 sind die ersten Juden in Bremke nachweisbar. Noch im 18. Jahrhundert wurde ein erster Friedhof eingerichtet. 1828 wohnten so viele jüdische Familien hier, dass eine Synagoge errichtet wurde. Sie war allerdings nicht Eigentum der jüdischen Gemeinde, sondern wurde mit ihrer Unterstützung von dem nichtjüdischen Besitzer des Grundstücks erbaut und an die Synagogengemeinde verpachtet. Im Jahr 1848 erreichte die Zahl der jüdischen Einwohner mit 170 von 954 Einwohnern insgesamt ihren Höhepunkt. Ihre Zahl nahm kontinuierlich ab, so dass noch vor dem Ersten Weltkrieg die jüdische Schule, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestand, geschlossen wurde. In den zwanziger und zu Anfang der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts wohnten zwischen 20 und 30 Juden in Bremke. Unter ihnen war der Kunstmaler Hermann Hirsch, der von 1918 bis 1933 in Bremke ein eigenes Haus bewohnte. Sie waren z.T. angesehene Mitbürger, die Vorstandsaufgaben in Vereinen wahrnahmen. Einer von ihnen, Max Meyerstein, war von 1919 bis 1933, im demokratisch gewählten Gemeindeausschuss. Auch Hermann Hirsch war von 1932 bis 1933 als Nachrücker im Gemeindeausschuss. Die letzten Mitglieder der Familie Meyerstein wurde 1937/38 genötigt nach Göttingen zu ziehen, die letzten im Herbst 1939. Von dort führte für die meisten von ihnen der Weg in die Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Synagoge wurde am Tag nach der Reichspogromnacht, also am 10.11.1938, in Brand gesteckt.

Als Folge des 2. Weltkriegs wurde Bremke Grenzdorf auf Seiten der britischen zur sowjetischen Besatzungszone, ab 1949 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und er DDR (Deutsche Demokratische Republik). Die Grenze wurde von der DDR zunehmend hermetischer abgeriegelt schließlich mit doppeltem Metallgitterzaun und zeitweise Selbstschussanlagen. In Bremke wurde ein Zollkommissariat eingerichtet. Erst Ende 1989 fiel die Grenze und 1990 folgte die Wiedervereinigung.

Die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg waren geprägt von der Unterbringung der Flüchtlinge und der weitgehenden Selbstversorgung mit Lebensmitteln.

Eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung der Alteinwohner und Flüchtlinge war der Bau der Waldbühne 1948/49, auf der bis in die 1960iger Jahre unter Leitung von Theodor Friedrich (Onkel Theo) Märchenspiele durch Bremker Kinder und Jugendliche aufgeführt wurden. Seitdem führt das Göttinger Volkstheater in den Sommermonaten Märchen auf der Brüder-Grimm-Waldbühne auf.

1959 wurde auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Karl Kobold das erste Dorfgemeinschaftshaus (mit Kindergarten, Bädern, Sauna, Wäschemangel, Kühlraum) in Niedersachsen errichtet, 1963/64 folgte der Neubau der Schule, 1971 die Kanalisation.

gez. R. Bergmann
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